Die Geschichte des Sammelns

Das Sammeln ist so alt wie die Menschheit und war zunächst eine Lebensnotwendigkeit in klimatisch benachteiligten Gebieten, in denen Nahrung nur zu bestimmten Jahreszeiten zur Verfügung stand. Die frühen Menschen mussten sehr schnell lernen, Vorräte an Samen, Nüssen und getrockneten Beeren und Kräutern anzulegen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Wer nicht sammelte, überlebte die rauen klimatischen Bedingungen nicht und hatte keine Chance, seine Gene an die nächsten Generationen weiterzugeben. Als die Menschen viele Generationen später sesshaft wurden und lernten, durch Ackerbau und Viehzucht Vorräte zu schaffen, blieb immer noch genug zu sammeln, was dem Wohlbefinden und der Weiterentwicklung diente, wie z. B. wild wachsende Kräuter, die als Delikatesse in den Kochtopf wanderten oder als Heilkräuter genutzt werden konnten.

Der Mensch entwickelte sich weiter, baute erst Dörfer, später Städte und gründete Weltreiche, das archaische Bedürfnis zum Sammeln und Horten blieb bestehen. Das Sammeln aller möglichen Dinge, denen ein gewissen Wert zugemessen wurde, war über die Jahrhunderte den Reichen und Mächtigen vorbehalten, da sie alleine über die Mittel verfügten, mehr Dinge zu besitzen, als sie wirklich brauchten. Aus Kriegsbeute wurden besonders schöne und wertvolle Stücke aufbewahrt und in der Familie als Erbe weitergegeben. Priester der verschiedensten Religionen sammelten Symbole und später Niederschriften ihres Glaubens, um ihn späteren Generationen zugänglich und verständlich zu machen. Im Mittelalter, als das aufstrebende Bürgertum die Privilegien des Adels in mancher Hinsicht auch für sich beanspruchte, weil die Menschen nicht mehr von der Hand in den Mund leben mussten, sondern sich auch einen gewissen Luxus leisten konnten, entstanden auch in den Bürgerhäusern Sammlungen von Schmuck, Kunst und allem, was als schön und begehrenswert empfunden wurde. Heute kann jeder alles sammeln, was seinen finanziellen Möglichkeiten entspricht. So spezialisiert sich der eine auf die Plastikfiguren aus Überraschungseiern, während ein anderer Bilder junger Künstler sammelt und auf Wertzuwachs spekuliert.

Viele Menschen sammeln, ohne sich dessen so richtig bewusst zu sein. Wer über seine Nachbarin lächelt, die Puppen und Püppchen aus aller Herren Länder sammelt und kaum noch Platz auf ihrem Sofa für Besucher hat, sollte nicht übersehen, welche Menge an Keramikkatzen sich in der Schrankwand angesammelt hat, weil man die so hübsch findet. Vor dem Sammelvirus ist niemand sicher, oft macht sich erst beim Umzug bemerkbar, wie viele Taschenbücher, die garantiert nie wieder gelesen werden, sich angesammelt haben Sammeln ist ein grundlegendes Bedürfnis, das viele Menschen teilen. Dabei werden meist nur die Sammlungen der anderen als skurril und übertrieben empfunden, während es für das eigene Objekt der Begierde immer eine sehr einleuchtende Begründung gibt. Sammeln ist ja auch gar nicht schlimm, wenn es nicht das Leben dominiert und der Mensch nur noch lebt und arbeitet um seine Sammelleidenschaft finanzieren und ausleben zu können. Leider nimmt der Betroffene sein Leiden dann nicht mehr wahr und es bedarf professioneller Hilfe, um ihn ins normale Leben zurückzubringen.