Tischkicker

Tischfußball ist in Deutschland eine der beliebtesten Kneipensportarten. Kickern, Räddlen, Wuzzeln, oder Drebbeln, allein die vielen regionalen Bezeichnungen zeugen von der Verbreitung des Volksports. Tischfußball liebt man oder hasst man, dazwischen gibt es wenig emotionale Schattierungen, aber durchaus unterschiedliche Spielstärken: Vom eher entspannten Spiel unter Freizeitkickern, über das mitunter verbissen erkämpfte Kneipenturnier, bis hin zu nationalen und internationalen Verbandsmeisterschaften lassen sich alle Level sportlicher Begeisterung finden. Der Tischkicker selbst blickt inzwischen auf eine über 100 Jahre alte Geschichte zurück.

Geschichte des Tischfußballs

Um die Entstehung des Tischfußballs ranken sich die verschiedensten Mythen und Legenden. Angeblich sei der erste Kicker im amerikanischen Bürgerkrieg erfunden worden, andere Stimmen behaupten, Tischfußball wäre als Reha-Maßnahme für Kriegsversehrte entwickelt worden. Einigermaßen verlässlich erscheint jedoch, dass Lucien Rosengart den ersten Tischfußballtisch gegen Ende des 19. Jahrhunderts konstruierte. Der fußballbegeisterte Mitarbeiter der Firma Citroen tüftelte in seiner Freizeit an einem Spieltisch. Mehr aus Liebhaberei als aus kommerziellem Interesse erfand er den sogenannten „Urtisch“, dessen Gestänge noch durch die Frontseiten des Tisches verlief. Diese Form des Tischfußballs setzt sich zunächst vor allem in Frankreich durch. 1901 wird in den USA ein erstes Patent auf einen Tischfußball angemeldet, die Sportart findet aber dort zunächst keine Verbreitung. Der Engländer Harold Charles Thornton meldet 1922 als erster ein Patent auf einen Fußballspieltisch an. Der von ihm konstruierte Tisch ähnelte bereits den heute üblichen Modellen. 1934 entwickelt Fritz Möhring eine Berliner Variante. Etwas später greift die Schweizer Firma Kicker die Idee eines Tischfußballtisches auf und entwickelt sie weiter. Diese Spieltische erfreuen sich auch in anderen Ländern schnell allgemeiner Beliebtheit. Bereits um 1950 herum entsteht in Belgien und Deutschland der organisierte Turniersport. Mitte der 1970er Jahre kommt es schließlich zu einem wahren Tischfußballboom.

Turniere und Vereinswesen

1967 sponsert die Bildzeitung die erste deutsche Tischfußballmeisterschaft, 1969 gründet sich der Deutsche Tischfußballbund (DTFB). Inzwischen blickt der Kickersport auf eine reiche Verbandsgeschichte zurück. Der DTFB fungiert als Dachverband der Landesverbände. Wie im großen Fußball gibt es Herren- und Damen-Meisterschaften, Bundes- und Regionalligen und gesponserte Turniere. Preisturniere werden in Deutschland vor allem vom Alternativverband P4P, Players for Players, ausgerichtet. Dieser zieht jedes Jahr Topspieler zu einem überregionalen Turnier an. Einen internationalen Tischfußballverband gibt es seit 2002. Aus den ursprünglich acht Gründerländern wurde ein Verbandsleben, das heute Spieler aus fünf Kontinenten unter einem Dachverband vereint. In Kooperation mit den fünf größten Tischfußballherstellern versucht dieser seit längerer Zeit den Sport und seine Spielgeräte zu vereinheitlichen und ein einheitliches Regelwerk durchzusetzen.

Regeln und Spieltechniken

Während ungeübte Spieler lediglich das Gestänge rotieren lassen, was eigentlich regelwidrig ist, verfügen trainierte Spieler über eine ganze Reihe von gewitzten Spieltechniken. Die sichere Beherrschung von Pin-Shots, Jets, Tic-Tacs und Bananen trennt die Profiliga von den Laien. Spieltricks reichen vom seitlichen Anschneiden der Bälle, über Bandenspiel und Stopptechniken, hin zu cleverem Passspiel. Ein in Turnieren oft spielentscheidender Schuss ist der schräge Pass durch die gegnerische Fünferkette. Je nach Regelwerk sind aber nicht alle möglichen Spieltechniken erlaubt. Es ist beispielsweise verboten, die Figuren vor und nach dem Ballkontakt beim Schuss um jeweils mehr als 360 Grad zu drehen. Ebenso ist übermäßige Kraftanwendung regelwidrig. Beim Schuss müssen immer beide Hände an der Spielstange sein, absichtlich gequetschte Pässe sind verboten. Darüber hinaus gibt es je nach Verbandsordnung regionale Unterschiede. Dies gilt auch für die benutzte Ausrüstung und die Tischtypen.

Ausrüstung beim Tischfußball

Turnierspieler nutzen alle möglichen Spielhilfen. Griffbänder oder Griffgummis verhindern das Abrutschen von den Griffen. Beliebt sind auch Golfhandschuhe oder Fingerlinge. Silikonspray lässt das Gestänge leicht gleiten. Ähnlich wie beim Geräteturnen verhindert Magnesiumcarbonat übermäßigen Handschweiß. Die Tische unterscheiden sich unter anderem durch das Gestänge, die Form der Spielerpuppen und das verarbeitete Material. Je nach Schnelligkeit und Hafteigenschaften der Spieloberfläche und der verwendeten Bälle kommen unterschiedliche Spieltechniken zum Einsatz. Während im reinen Freizeitbereich Münzgeräte verbreitet sind, nutzt man im Turniersport meist nur vom internationalen Tischfußballbund anerkannte „offizielle“ Tischtypen. Ein Kickertisch lässt sich aber mit etwas handwerklichem Geschick auch selber bauen.

Tischkicker selber bauen

Da man für einen professionellen Kickertisch bis zu 1000.- Euro bezahlen kann, lohnt sich der Eigenbau, sofern man denn über die handwerklichen Fähigkeiten verfügt. Die Kosten sind natürlich materialabhängig. Bei vernünftiger Planung beläuft sich der reine Materialeinsatz auf circa. 250.- Euro. Baupläne finden sich problemlos im Internet. Gestänge und Spielerpuppen lassen sich bei den Herstellerfirmen auch einzeln ordern.

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